Diesmal führte uns unsere Reise nach Burundi – ein kleines, uns bis dahin völlig unbekanntes Land im Herzen Afrikas. Alles, was wir im Vorfeld darüber wussten, war erschütternd: Burundi gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Mehr war es zunächst nicht – ein Name, ein Bild von Armut, eine vage Vorstellung. Und doch spürten wir, dass uns dort etwas erwarten würde, das weit darüber hinausgeht.
Unser Ziel war ein Krankenhaus in Kibimba, einer kleinen, unscheinbaren Stadt, irgendwo zwischen staubigen Straßen und endlosen Landschaften. Die Klinik selbst war vor Jahren von christlichen Missionaren aus den Vereinigten Staaten errichtet worden – ein Ort der Hoffnung in einer Region, in der medizinische Versorgung alles andere als selbstverständlich ist.
Doch schon der Weg dorthin war eine Herausforderung für sich.
Die Welt befand sich in einer angespannten Lage. Kriege im Iran und im Nahen Osten hatten ihre Schatten bis in die entferntesten Winkel geworfen. Der Treibstoff wurde überall teurer, Flugverbindungen wurden gestrichen, ganze Routen fielen weg. Besonders Flüge über Katar und Dubai waren betroffen. Was blieb, waren wenige, überlastete Verbindungen – und explodierende Preise.
Unsere Reise wurde zu einem logistischen Kraftakt.
Wir flogen über Istanbul nach Kenia, und von dort weiter nach Burundi. Eine Strecke, die auf der Karte fast einfach wirkt, entwickelte sich in der Realität zu einer 30-stündigen Odyssee mit langen Wartezeiten, ungewissen Umstiegen und permanenter Erschöpfung.
Besonders paradox erschien uns der letzte Flug: Von Kenia nach Burundi – gerade einmal anderthalb Stunden in der Luft. Und doch war genau dieses Ticket das teuerste der gesamten Reise. 640 Euro – für eine Strecke, die kürzer war als mancher Inlandsflug in Europa. Warum, konnte uns niemand wirklich erklären. Vielleicht war es genau das: eine Mischung aus Chaos, Knappheit und globaler Unsicherheit.
Als wir schließlich ankamen, müde, ausgelaugt, aber auch voller Spannung, wurden wir am Flughafen empfangen.
Dort stand er: Dr. Elisé.
Ein ruhiger, besonnener Mann mit einem Blick, der gleichzeitig Müdigkeit und Entschlossenheit verriet. Offiziell war er Allgemeinmediziner. In der Realität jedoch war er viel mehr als das. In einer Umgebung, in der es an Fachärzten mangelt, wurde er auch zum Chirurgen – aus Notwendigkeit, nicht aus Wahl.
Er leitete die Klinik in Kibimba. Er organisierte, entschied, behandelte, operierte. Er war das Herz dieses kleinen Krankenhauses.
Und in diesem Moment wurde uns klar: Unsere Reise hatte gerade erst begonnen.